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1. Suche nach einem Verständnis der Gruppenzusammengehörigkeit im
Kontext der Geschichte unter Einbeziehung der Fachliteratur. . Wie aktuell das Thema und die Problematik der Minderheiten
ist, zeigen vor allem die in den letzten Jahren in den postkommunistischen Staaten geführten Diskussionen über die Lage der Minderheiten im Zusammenleben mit der Majoritätsgesellschaft.
Alle
demokratischen Systeme versuchen die Konsequenzen
der Konvention der Menschenrechte zu übernehmen und zum Leben zu bringen, was nicht immer leicht ist. Der Prozess der Anerkennung dieser Regeln, die Durchsetzung der Demokratie und der Menschenrechte ist immer noch mit dem Morast des totalitären Systems in den postkommunistischen Ländern stark belastet, trotz der eingeführten Gesetzgebung. Jede Gruppe von Menschen hat ein eigenes Niveau und Reife von Selbstbewusstsein, unterschiedlich je nachdem, wie tief sie eigene Geschichte, Schicksal und Lage versteht oder annimmt, wie lange sie mit der Mehrheitsgesellschaft lebt, unter welcher sozialen Situation sie sich befindet, wie weit ihre Bildung ermöglicht wurde oder sie selber sie pflegte. Das heißt, wie die Menschen selber oder wie ihnen die Gesellschaft, in der sie sich befinden, erlaubt hat, sich mit eigener Identität zu identifizieren.
Als Laie möchte ich mich bei der Suche nach Gründen der Minoritätsproblematik auf Wissenschaftler berufen. Prof. Dr.Bodo von Borries, Universität Hamburg, der sich mit dem Thema der
Akzeptanz der Unterschiedlichkeit psychologisch und im geschichtlichen Kontext beschäftigt, gibt mir einen Hinweis für heutige Überlegungen sowie für die Plattform der Kommunikation auf beiden Seiten der
Gesellschaft: Ich zitiere : „Was heißt eigentlich vergessen, leugnen, verdrängen, erinnern? Gedächtnis ist immer Konstruktion, nicht nur gesellschaftlich, sondern auch im individuellen Leben. Es ist also gar
nicht unbedingt schuldhaft oder böse Absicht, wenn
„objektiv falsch“ erinnert wird. .......... Von den zig Milliarden vergangener Fakten und zig Millionen belegter Fakten werden nur winzige Bruchteile in Syntheseprozessen zu Konstruktionen verarbeitet. Dagegen ist ......die geläufige Vorstellung der Laien, Geschichte sei ein gewissermaßen maßstabsgerecht verkleinertes Modell der vergangenen Wirklichkeit und ihrer Wandlungen, grob irrig. Die Kategorien der Auswahl sind entscheidend und natürlich perspektivenabhängig. Auch das ist keineswegs schuldhaft. Jede Gruppe betreibt Legitimerweise eine verschiedene Auswahl. Was bildet – auf Geschichte bezogen – dann noch den Stachel im Fleisch? Warum werden wir mit unseren eigenen Versionen nicht einfach glücklich und kümmern uns kein bisschen um den Rest der Welt? Wie Menschen verschiedener Gruppen zusammenleben (müssen) und auf Kommunikation angewiesen sind, auch weil gegenseitige Anerkennung zum Leben gehört, weil man den Spiegel und in den Spiegel der Augen des Gegenübers blicken können möchte. Was kann man erreichen? Nicht mehr als gegenseitige Anerkennung von Authentizität und Verschiedenheit, die Einsicht in die relative Berechtigung der anderen Version und der eignen Version: We agree to desagree,
aber wir können uns in dieser Nichteinigung menschlich achten. Das allerdings ist nur möglich, wenn die eigenen Versionen wirklich mit den anderen Versionen versuchsweise konfrontiert und ernsthaft abgeglichen
sind.
Es genügt nicht zu sagen: “Da hat eben jeder seine eigene Meinung!“ Die Quellen haben ein Vetorecht und ein Provokationsrecht. Multiperspektivität (besser Perspektivenwechsel) ist kein Luxus und keine Nestbeschmutzung, sondern ein Gebot intellektueller Redlichkeit, moralischer Reife und sinnbildender Erzählung; nur sie erlaubt eine zukunftsfähige Orientierung durch Identitätserweiterung, d.h. unter Einschluss möglichst vieler relativ berechtigter anderer Sichtweisen:
„Sich vertragen ist seliger als hassen“.
Diese Zeilen überzeugen mich, wie viel intensiver man sich mit dem Zusammenleben verschiedener Nationalitäten befassen sollte, umso mehr mit Rücksicht
auf das sich vergrößernde Europa. Wenn ich an die Geschichte und Schicksale der Menschen in der Vergangenheit denke, vergesse ich nie, was ich als Motto meiner Rede benutzt habe. Das
Fremde abzulehnen und gleichzeitig Angst vor dem Fremden und vor dem Neuen zu haben ( anders: Anderweitigkeit als Gefahr), die gegenseitige Intoleranz usw. begleitet den Prozess der Integrierung der Menschen in die Mehrheitsgesellschaften. Das Zusammenleben entwickelt sich in verschiedenen Ländern unterschiedlich, je nach der demokratischen Entwicklung des Landes, der Größe, Offenheit und der Ausbildung des bürgerlichen Bewusstseins. Wenn ich heute z.B. an die kurzsichtige französische Regierungsentscheidung, die die Muslimtücher, jüdische Kopfbedeckung oder Kreuze in den Schulen zu tragen verbietet, denke, kann ich es kaum begreifen. Was bringt es für beide Seiten?
Um sich zu verstehen, mĂĽssen wir uns kennen lernen, gegenseitig akzeptieren, zusammen reden, die Sinnbildungsfiguren ablegen, das Denken wechseln, die Empathie einzusetzen versuchen, die Toleranz zur
Unterschiedlichkeit lernen. Prof. von Borries benutzt an einer Stelle seines Beitrages ein indianisches Sprichwort, das fordert, man solle über niemanden urteilen, wenn man nicht vierzehn Tage in seinen Schuhen gelaufen sei. Oder eine andere Volksweisheit, die besagt: „Stell
dich doch mal auf meinen Standpunkt, sieh das doch mal mit meinen Augen!“ Auch wenn es nicht immer möglich ist, sich zu verstehen, meine ich, man müsste es versuchen.
Ein Beispiel von uns: Der
indische Sozialarbeiter, Kumar Wishwanathan, der in Tschechien lebt, hat gemeinsam mit sozialschwachen Familien von Zigeunern und Weißen nach den Überschwemmungen (1997) eine Häuschensiedlung der Verständigung
gebaut und durch Spenden und Sammlungen trotz verschiedener Schwierigkeiten zum gemeinsamen Leben gebracht. Die Gemeinde lebt bis jetzt. Wie stolz bin ich auf diesen Mann! Ist es nicht ein Beweis dafĂĽr, dass man
Ideen zum Leben bringen kann?
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2. Wie sieht es mit dem Bevölkerungstand nach der letzten Volkszählung in unserer Republik aus ?
Es gibt 10 206 436 Einwohner, davon melden sich 373 294 zur mährischen, 11 248 zur schlesischen, 183 749 zur slowakischen, 38 321 zur deutschen, 50 971
zur polnischen, 19 857 zur ungarischen, 11 716 zur Roma, 353 019 zu anderen oder nicht festgestellten Nationalitäten.
Ăśber die Lage der Minderheiten in der Tschechischen Republik
möchte ich eine kurze verständliche Übersicht geben. Ich erlaube mir die Übersicht mit meinem eigenen Kommentar zu ergänzen.
Die tschechische Regierung baut ihr Verhältnis zu den ethnischen
Minderheiten auf drei Festlegungen auf: Es geht um eine Perspektive der Menschenrechte, um eine nationale Minderheitsperspektive im engeren Sinne des Wortes und eine soziokulturelle Perspektive. Diese Aspekte
sind nicht in Konflikt, sondern sie ergänzen sich, sagt der Bevollmächtigte für Menschenrechte Jan Jařab.
Für die Minderheitenangelegenheiten wurden drei Räte als Beratungsorgane der Regierung, die
die Durchsetzung der Konvention für Menschenrechte beobachten, gebildet: Der Rat für Menschenrechte, der Rat für nationale Minderheiten und der Rat für die Angelegenheiten der Roma - Kommunität. Die Rechte,
Konzeption und Arbeit in diesem Bereich sind im Gesetz über die Rechte der Angehörigen der nationalen Minderheiten (Gesetzessammlung 273 / 2001) und in einer Menge von Verordnungen verankert.
Besondere Aufmerksamkeit der Regierung ist der Roma – Kommunität gewidmet, die mehrere Aspekte der Perspektiven einer Minderheit und Unterschiedlichkeiten verbindet. Die Bemühungen der Regierung und der
nichtstaatlichen Organisationen (nachfolgend NGO), die eine besonders positive Rolle spielen können, setzen sich bis jetzt besonders in den Fragen der Lage der Roma - Kommunität nur schwer durch. Trotz der
allgemeinen oralen Zustimmung zu Thesen, muss man die starke Abneigung der Beamten und auch der breiteren Öffentlichkeit gegen die Durchsetzung positiver Maßnahmen für die Roma, überwinden, behauptet Jan Jařab
und ergänzt, dass der Mythus, man hat schon genug für die Roma gemacht und jetzt sei die Reihe an ihnen und nicht an der Majorität, ist leider sehr oft vorhanden. Wir könnten auch ähnliche Beispiele von der
Intoleranz gegen FlĂĽchtlinge und Asylanten auffĂĽhren.
Die Europäischen Organe drängen regelmäßig die Regierung, europäische Regeln durchzusetzen. Die Organe der Regierung zwingen dann die Beamten
niedriger Ebenen die Berichte vorzulegen. Wie formal oder nicht formal es ist, kann ich als Beobachterin nicht beurteilen. Ich kann aber die Proklamationen und Thesen mit der Realität vergleichen. Ich habe mir zum
Beispiel das Protokoll einer Sitzung des Ausschussrates der Rahmenkonvention ĂĽber den Schutz der nationalen Minderheiten des Europarates vom Dezember 2003 durchgelesen. Man diskutierte dort ĂĽber die Fragen der
Vorbereitung des periodischen Berichtes für dieses Organ. Hauptthemen dieser Sitzung: Fragen der Bildung und Bildungsmöglichkeiten, Benutzung der Minoritätssprachen in der Kommunikation mit Ämtern,
Partizipierung der Minderheitsvertreter an Lösungen der Fragen der Lage der Minderheiten, die Lage der Roma, die Stellung der Polizei und ihre Schulung über Menschenrechte und Kommunikation mit Minderheiten,
Kriminalität mit Rassenhintergrund, die legislativen Möglichkeiten des Schutzes der
Menschenrechte, Maßnahmen für Verstärkung der Toleranz und den interkulturellen Dialog in der tschechischen Gesellschaft, Medien und die Minderheiten.
Bemerkung: Regelmäßige Sendungen im
Rundfunk bereiten deutsche, polnische, slowakische und Roma – Redaktionen oder auch regionale Stationen vor. Für die Periodika der Minderheiten gibt die Regierung 30 Millionen Kronen aus. Ein ziemlich breiter
Inhalt, nichtwahr?
Aber die Regierung und die zuständigen Behörden, besonders auf der kommunalen Ebene, wurden trotzdem auf dieser Sitzung wegen einer langsamen Durchsetzung der Regierungsvorkehrungen
von den Vertretern der Minoritäten kritisiert. Viel bleibt also mehr auf dem Papier. Marta Kremličková, Pädagogin und Psychologin aus Prag, betonte in ihren Vorträgen über multikulturelle Erziehung, dass die
Entscheidungen erst nach dem Prozess des Erkennens der Problematik und dem Verständnis folgen können. Wissen dies immer auch die, die entscheiden?
Bemerkung: Wo sind die Ursachen der sozialen
Unruhen in der Slowakei vor ein paar Wochen? Sind sie ein Erfolg von guten Entscheidungen? Ist die Grenzsperre der tschechischen Grenze eine gute Entscheidung?
Ich meine, dass die Regierung und die Behörden
bei der Durchsetzung des Gesetzes und der Maßnahmen zu allen genannten Themen, leider oft auch wirksame Kontrollmechanismen einzusetzen vergessen. Sehr wenig beschäftigt man sich mit der Prävention, mit der
systematischen Ausbildung derer, die entweder verantwortlich sind, sich freiwillig zur Arbeit im Terrain melden oder eingesetzt sind. Kommunikation zwischen Behörden und Minoritäten ist oft nur formal,
unprofessionell oder fehlt
überhaupt. Auch ein Mangel an Partnern, wenig Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch erleichtern die Arbeit nicht. Die Zusammenarbeit ist dabei eine der Hauptbedingungen der Regeln der ausgeschriebenen Projekte. Es gibt Fälle, wo die Mittel ohne Kontrolle nicht selten in andere oder sogar private Zwecke strömen oder man fördert das, was „besseren Ruf“ hat oder nicht so kompliziert ist (Sport ). Man findet immer noch viele Fälle vom allgemein benutzten „Klientelismus“, sowie die Korruption (Beispiel des Falles vom tschechischen Ethnobusiness). Die kritische ökonomische Lage des Staates beteiligt sich dann an dieser Situation auch sehr stark. Man kürzt die Mittel für die Tätigkeit der NGO, die wichtige Träger der Realisierung und Lösung der Problematik sein können und auch sind.
3. Projekte und Aktivitäten der öffentlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen
Nach diesem Teil meines Beitrages gehe ich gern zu dem Positiven und Beispielgebendem und zwar zu den
Programmen fĂĽr nationale Minderheiten ĂĽber.
Trotz erwähnten Schwierigkeiten sind im Angebot manche Plattformen, durch welche diejenigen, die einen Antrag in dem Wettbewerb vorzulegen fähig sind, sich für
ihre Tätigkeit Gelder beschaffen können. Zum Erfolg im Wettbewerb muss man aber oft wirklich gut reif sein und die Ausscheidung im Wettbewerb nimmt teilweise manchen den Mut, sich weiter zu
bemĂĽhen oder nimmt die Motivation und Sicherheit.
nach oben Was fördert zum Beispiel die tschechische Regierung?:
Jetzt im Frühling fängt eine große Kampagne gegen Rassismus an, die mit 4 Millionen
Kronen unterstützt wird und auch dabei schon laufende Programme ergänzt. Programme für die Unterstützung der Minderheiten sind hauptsächlich von den Ministerien für Bildung und Kultur ausgeschrieben.
Das Kulturministerium in seiner Kulturpolitik unterstützt schon mehrere Jahre folgende Programme und Aktivitäten, wobei die Veranstaltungen und Tätigkeit der nationalen Minderheiten Priorität haben:
- Aktivitäten im Kunstbereich - Bildungs- und Erziehungsaktivitäten im Kulturbereich - Dokumentation der nationalen Kulturen - Publikationstätigkeit - multiethnische Veranstaltungen
Das
Schulministerium fördert:
Unterstützung der Integration der Roma - Reform der multikulturellen Bildung (Unterstützung – auch finanzielle - der Roma – Schülern aus den Mittelschulen, sowie
die Ausbildung der Lehrer und Roma – Assistenten in den pädagogischen Zentren in den Landkreisen der Republik.), Sprachenlehre für Kinder und Jugendliche
der nationalen Minderheiten, Gesellschaftlich-kulturelle Aktivitäten, Sport- und Bildungsaktivitäten für Kinder und Jugendliche der Angehörigen der nationalen Minderheiten und der Mehrheitsgesellschaft im Zusammenhang zur Minderheitsgesellschaften,
Gestaltung der Bildungsprogramme und Lehrmaterialien im Bereich der nationalen Minderheitsbildung, die zur Kenntnis der Geschichte und Kultur anderer Nationalitäten, zur demokratischen Bürgererziehung,
zur gegenseitigen Toleranz, gegen rassistischen und nationalen Unverträglichkeit, Xenophobie und Antisemitismus führen. Es geht um die Aktivitäten der Minderheits- und Majoritätsgruppen zur
Unterstützung des gegenseitigen Verständnisses, der Toleranz und Verminderung der Spannung in der Gesellschaft.
Die Regierung, bzw. das Amt der Regierung gibt auch ganz mächtige direkte
Unterstützung an nichtstaatliche Einrichtungen, die sich mit der Tätigkeit und Hilfe für die Minderheiten beschäftigen.
Projekte und Aktivitäten der öffentlichen und der nicht staatlichen Einrichtungen
halte ich fĂĽr sehr wichtig, weil sie die konkrete Arbeit leisten und ihre Beispiele besonders fĂĽr die breitere Ă–ffentlichkeit einen wirklichen Wert haben. Da kommen endlich auch die Bibliotheken zu Wort.
Zum besseren Verständnis erwähne ich die Zahl der NGO:
Zum 31.März 2002 wurden in der Republik 385 Vereine registriert, die sich mit nationaler Minderheitsproblematik beschäftigen: 291 Roma, 43 deutsche, 22 polnische, 14 slowakische, 4 ukrainische, 3 russische, 2 ungarische, 3 bulgarische, 1 griechische, 1 kroatische.
Die Tätigkeit der Einrichtungen und NGO steigt und entwickelt sich immer noch besonders mit der Kraft und auch dem Mut der opferwilligen Mitarbeiter, sich dieser Arbeit zu widmen, die Kenntnisse zu
ĂĽbergeben und ins Terrain zu gehen.
Auf der kommunalen Ebene sind es meistens die Kommissionen für nationale Minderheiten in den größeren Städten, Bibliotheken und NGO. Nicht immer, wie schon
erwähnt, laufen die Aktivitäten koordiniert – sie laufen nicht selten parallel. Es liegt oft nur am persönlichen Einsatz von Menschen auf beiden Seiten.
Eine vom Staat geförderte Einrichtung, die letzte
Zeit einen sehr guten Einfluss, UnterstĂĽtzung und Hilfe fĂĽr die Einrichtungen leistet, die auch die Veranstaltungen und Programme fĂĽr die breite Ă–ffentlichkeit selber veranstaltet, ist das Multikulturelle
Zentrum in Prag.
Das Zentrum verbreitet seine Tätigkeit in der ganzen Republik mit dem Ziel zu zeigen, dass das multikulturelle Leben in der ČR möglich und bereichernd ist. Es stellt erstens einen guten
Partner dar und gleichzeitig entwickelt sich das Zentrum als ein Koordinator des professionellen Zugangs zur Arbeit mit der Öffentlichkeit. Das Zentrum informiert, schult, veranstaltet öffentliche Debatten,
Ausstellungen, empfiehlt Literatur, gibt Publikationen heraus, hat eine eigene Bibliothek, gibt den Bibliotheken Akquisitions – Service, beteiligt sich als Partner an anderen Programmen, wie zum Beispiel:
- von der Regierung unterstützte „Kampagne gegen Rassismus“, -„Vielfältigkeit in die Bibliotheken“, -„Leute lest!“, usw.
In der Diskussion wird das alles sicher von Vertretern des Zentrums ergänzt. Nach meiner Meinung und dank der Möglichkeit sich an einer Schulung für Bibliotheken zu beteiligen und dank den Aussagen der
Zeugen, stellt das Zentrum eine systematische, professionelle und wertvolle Arbeit vor.
Ein wichtiger Partner für Fragen der Roma – Minderheit ist das Roma – Museum in Brün / Brno, das als ein
Zentrum der Roma – Kultur im Jahre 1991 gegründet wurde. Es soll ein einmaliges und eigenartiges Zentrum der Roma – Lehre /Romistik
im Mitteleuropa sein. Es bietet Raum für die Begegnung der Kulturen, dokumentiert die Roma – Kultur als Teil der europäischen Erbschaft und öffnet den Weg zu den Wurzeln der Roma-Identität, sagt man in den Ersten Sätzen der Präambel dieser nichtstaatlichen Organisation. Die Bibliothek des Zentrums enthält 2730 Einheiten der Roma- und Romistik - Literatur, Fachbücher über nationale Minderheiten, Holocaust, gegen Rassismus usw., und bildet so eine Basis für Informationen, für Beratungen und Bildung der Öffentlichkeit, sowie für Entwicklung der Wissenschaft. Das Zentrum präsentiert sich mit Ausstellungen, Seminaren, Konferenzen, Veranstaltungen und bietet auch Wanderausstellungen an.
nach oben 4. Stadt und Landkreis Liberec
Der letzte Teil meines Beitrages
sind Beispiele aus der Region und der Stadt, in der ich lebe und in der ich mehrere Jahre als Mitglied einer Kommission für nationale Minderheiten tätig war. Die Stadt Liberec, deutsch Reichenberg
, die Hauptstadt
des Landkreises, eine nordböhmische Stadt mit einer dramatischen Historie, hat Raum für verschiedene Kulturen angeboten und bietet ihn wieder an. Seit dem Jahre 2000 ist sie auch mit einer neuen modernen Bibliothek bereichert. Diese Bibliothek, die ich die Ehre hatte aufzubauen, begleitet eine Symbolik, die dem Inhalt unserer heutigen Diskussionen entspricht.
Die Bibliothek stellt das Bild und Gedächtnis einer Gesellschaft dar.
Jede demokratische Gesellschaft ist verpflichtet, alle ihre Minderheiten zu schützen. Das Gebäude der Liberecer Bibliothek,
die in einer Symbiose mit einer Synagoge steht und lebt, so wie einmal die tschechische, jüdische und deutsche Kultur in diesem Gebiet gelebt hat, schützt symbolisch das Gebäude der Synagoge, ein Symbol
aller heutigen Minderheiten.
Die Stadtverwaltung betreut die
Fragen der Minderheiten durch das Ressort fĂĽr Kultur, Schulwesen und Sozialangelegenheiten, Landkreis durch das Department fĂĽr Sozialangelegenheiten. Die Stadt, sowie der Landkreis schreiben
periodisch verschiedene Programme aus. Die Ausschreibungen im Bereich „Kultur“ können von Minderheiten genutzt werden. Z.B. das Programm unter dem Titel „Entwicklung der ethnischen und nationalen Kultur“,
ist den Minderheiten direkt gewidmet.
Im Landkreis wohnen 427 227 angemeldete Einwohner, in der Hauptstadt sind es ca. 100 000.
Die größte Minderheit ist die slowakische -
8197 Personen, an der zweiten Stelle steht die deutsche Minderheit 3618 . Gesamtzahl der nichtstaatlichen Organisationen: 3448. 29 davon widmen sich der Minderheitsproblematik.
Zu der Roma-Minderheit
melden sich im Landkreis nur 615 Personen, was nicht stimmt. Man schätzt, dass im Landkreis ca 14 000 Roma leben. Tätig sind hier 22 Roma Vereine mit ca. 800 – 900 Mitgliedern. Eine
selbstständige Problematik des Landkreises bringt dann die Konzeption der Integration der Ausländer.
Ich betone, dass wir, die NGO, als Teil unserer (meistens freiwilligen) Tätigkeit, ohne
systematische und sinnvolle Koordination unserer Aktivitäten begonnen haben. Das letzte Jahr und Anfang dieses Jahres scheint es sich zu verbessern. Wir haben uns endlich gefunden und angefangen uns gegenseitig zu
informieren und die Angebote und die Ideen mitzuteilen. An der Webseite des Landkreises hängt eine Analyse der regionalen Minoritätsproblematik...
So komme ich zu der Stadt LIBEREC
Als Beratungsorgan des Rathausrates arbeitet fĂĽr die Stadtregierung die
Kommission fĂĽr nationale Minderheiten. FĂĽnf Jahre der Arbeit dieser Kommission waren sehr
erfolgreich, trotzdem sie nicht immer ihre Meinungen durchsetzen konnte. Es bildete sich ein produktives Team, das mit Vertretern von Nichtmitgliedern der Kommission ergänzt ist, mit Leuten aus Minoritäten, die Interesse an der Arbeit oder mindestens an Informationen haben.
Wie schwierig es ist, manche Minoritäten zu kontaktieren (Vietnamesen), wie schwer es sich manche machen, sich durchzusetzen oder aus der Isolierung kommen zu wollen, muss ich sicher nicht
erwähnen. Der Weg zu einander zu kommen, wird leichter oft durch die Kinder gefunden. Der größte Erfolg der Bemühungen der Stadt und der Kommission brachte vor 5 Jahren die Errichtung der
Roma: Die Idee, das Zentrum in eine Beratungsstele für alle Minderheiten umzuwandeln. Trotzdem die Idee nicht ganz realisiert wurde (der Kindergarten ist aufgelöst), ist das Zentrum eines der aktivsten
Stellen der Kommunikation mit und für die Roma in der Stadt. Aktivitäten:
Musikschule, Tanz-, dramatischer und Computerzirkel, Fußballteam, Kurse der Roma – Sprache, Fitnesszentrum,
Sozial- und Rechtsberatungen.
Veranstaltungen, wie Bälle, Konzerte der Roma – Kappellen und Ausstellungen, periodische Teilnahme an Roma – Festspielen - das ist Selbstverständlichkeit.
Im
Sommer Kinderlager zu organisieren, mit dem Koordinator für Roma – Assistenten und mit ihnen zusammen zu arbeiten ist schon als Pflicht angenommen.
Die Aktivitäten der deutschen Minderheit
sind reichlich durch 6 Vereine vertreten und wickeln sich vor dem Hintergrund der Partnerschaft von Städten, Nachbarschaftsbeziehungen und der gemeinsamen Geschichte und Kultur ab.
Slowakische BĂĽrger
sind am Gebiet des Landkreises nicht gesellschaftlich organisiert.
Die Jüdische Gemeinde. Eine kleine, aber lebendige Kommunität, die sich ganz ernst zu öffnen versucht. In der neuen Synagoge
veranstaltet sie ökumenische Veranstaltungen, zweimal in dem Monat öffnet sie die Türen für die Öffentlichkeit, hat einen hebräischen Sprachenkurs, Tanzzirkel mit israelischen Tänzen, beteiligt sich oft an
gemeinsamen Veranstaltungen mit anderen Minoritätsgruppen.
Endlich komme ich auch zu den Aktivitäten der Liberecer Bibliothek. Die Aufgabe, die die Bibliothek übernommen hat, erfüllt sie nicht nur
Dank des Gesetzes für öffentliche Bibliotheken, aber auch Dank der spezifischen Ideen, die ihre Mitarbeiter entwickelt haben und freiwillig mit großer Verantwortung durchführen wollen.
Aktivitäten:
Die Bibliothek hat der Kommission für nationale Minderheiten der Stadt Liberec den Raum für die Veranstaltungen „Wir leben hier“ zu Verfügung gegeben. - Die Akquisition der
Bibliothek orientiert sich an ausländischer Literatur der Minderheiten, die in der Region leben. - Die Bibliothek nützt Angebote der Regierungsprogramme und des Multikulturellen Zentrums und seines Services aus.
- Die Bibliothek verlegte in roma – tschechisch geschriebenes Buch mit Erzählungen von einem berĂĽhmten Schriftsteller LudvĂk StĹ™eda fĂĽr Kinder. Der Titel lautet „Regenbogenfarbige BrĂĽcke“
und ist, nach meiner Meinung ein Beweis, wie tief die Bemühungen zur Verständigung und Offenheit der Bibliothek zu den Minderheiten gehen. Das Buch wurde an der internationalen Kinderbuchmesse in Liberec am 12. März vorgestellt und wird den öffentlichen Bibliotheken, den Schulen und Hilfsschulen, den Kinderheimen der Region und Republik geschenkt. (Das
Buch habe ich für die Roma Bibliothek als Spende auch mitgebracht. An den Kosten haben sich mehrere Stiftungen - z.B. „Die Schule als Spielraum“, - aber auch der Landkreis und die Stadt beteiligt.)
Veranstaltungen für und über die Minderheiten unter dem Titel „Wechselbeziehung der Kulturen“: Abend über Afrika, ukrainischer Abend mit Musik und Lesung – „Heimkehr zu den Wurzeln“, ein
internationaler Abend – „Weihnachten, wie man es anderswo feiert“.
FĂĽr dieses Jahr ist in der Vorbereitung:
JĂĽdische Kultur (in der Zusammenarbeit mit der JĂĽdischen Gemeinde), die Roma (Lesung
der Roma Geschichten und Märchen), die Vietnamesen, Angelsächsische Länder, Frankreich, Deutschland (mit Zusammenarbeit mit den Sprachschulen und der Universität) und im Dezember wieder die Veranstaltung
„Weihnachten, wie man es anderswo feiert“.
An allen Veranstaltungen
werden die Vertreter der bestimmten Minderheiten als Gäste eingeladen. So wie früher, werden diese Veranstaltungen moderiert. Die Minderheiten werden nicht nur vorgestellt, interaktiv werden auch Gespräche mit Zuhörern und Gästen geführt und die Veranstaltungen mit Musik, nationalen Speisen und Bücherausstellung ergänzt.
In einer Überlegung steht noch der Wille, ein Buch der Roma Märchen und Gedichte vom Roma Schriftsteller und Übersetzer Emil Cina zu verlegen. Es ist ein Einsatz, der zwar jetzt noch über den Rahmen
eigener professionellen Aufgaben hinaus geht, Solche Angebote, die den öffentlichen Raum, den die Bibliotheken vorstellen, verbreiten sich schnell.
Uns alle, nicht nur Bibliotheken, erwarten noch viele
Schritte, die uns zusammen bringen können, sollen und müssen und wir rechnen damit, dass sie nicht leicht werden. Wir sind auch überzeugt, dass wir einen stärkeren Einfluss auf die Beamten und Behörde, bzw. auf
die Regierung zu erreichen fähig sind.
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